Nix ist fertig und nix funktioniert – Tobi ist unzufrieden. Wie so oft sind wir spät dran. War halt doch sportlich kalkuliert, so ein kompletter Bus-Ausbau in vier Monaten und noch dazu in der eigenen viel zu kleinen Garage. Mangels einer Werkstatt wird nämlich in der Garage gefräst, gesägt, gebohrt und genietet. Zum Leidwesen unserer Nachbarn steht der Bus desöfteren im Weg – aber hey, sehen wir’s positiv, einige weibliche Nachbarn konnten so mal ausgiebig das rückwärts Parkieren lernen 😉

Gefühlt sehen wir uns öfters in der Garage als im Wohnzimmer, und die Alu-Dibond-Streusel finden wir wohl noch jahrelang in sämtlichen Ritzen. Auf den letzten Drücker wird noch gebaut und bestellt, Amazon und DHL sei dank kommt auch alles noch an. Ich frage mich eh immer wieder, wie wir vor zwanzig Jahren so ein Projekt gemeistert hätten – überhaupt, wie konnten Menschen ohne Amazon Prime den Alltag meistern??

Jedenfalls sitzen wir dann eines Samstags tatsächlich im Bus und steuern vollgepackt Richtung Süden. Ausprobiert haben wir nichts, wird schon alles funktionieren. Die Euphorie kommt erst kurz vor Landsberg, wo wir Freunde besuchen und uns dann das erste Mal selbst freuen, dass wir jetzt so richtig lang Urlaub haben. Fünf Minuten später ist die Euphorie dann schon wieder etwas gedämpft. Uns ist das erste Teil aufgefallen, das wir vergessen haben. Ein recht großes, unübersehbares, aber trotzdem haben wir’s geschafft, beim Einräumen drum herum zu räumen. Es ist… der Ersatzreifen! Mh, blöd. Meistens braucht man Dinge ja erst, wenn man sie mal nicht dabei hat. Ob man in der Pampa Albaniens wohl lange auf den ADAC warten muss…? Wir werden’s herausfinden…

Nach vielen Besuchen, Käffchen und Gin Tonics machen wir uns weiter auf den Weg nach Südwesten, ans hintere Ende der Schweiz an den Genfer See. Wie so oft auf dem Weg in den Süden oder auf dem Heimweg besuchen wir dort Freunde und beneiden mal wieder deren Wohnort – leben mit Blick auf den See, die französisch anmutenden Bergdörfer, die Weinterrassen und natürlich das Bergpanorama im Hintergrund. Bei gutem Wetter spitzt dann auch noch der Mont Blanc heraus – nicht der schlechteste Ort, um zu wohnen!

Und erstaunlich einfach lösen wir auch gleich noch unser Reifendilemma: wir finden in einer netten Ausbauwerkstatt einen echt günstigen, passenden Ersatzreifen – da nehmen wir sehr gern bei strahlendem Sonnenschein einen kleinen Umweg über den Vierwaldstätter See in Kauf und steuern tief befriedigt weiter – jetzt läuft’s!

Ab geht’s nach Italien, wir wollen nach Ancona auf die Fähre nach Griechenland. Vorher gibt’s aber noch einen Zwischenstopp, wir bremsen bei meinen Eltern am Gardasee ein. Die sind nämlich gerade im Urlaub, und so hängen wir einen Mini-Kurzurlaub mit dran. Das große Hotelbett und der Kellner, der den Aperol bis zur Poolliege bringt – das hat uns echt fast überzeugt, vielleicht sollten wir das mit dem Camping doch noch überdenken…

Nein, Scherz – wir spurten jetzt los zur Fähre und rollen hoffentlich 24 Stunden später in Patras von Bord!