Wieder Regen. Jetzt heißt es einfach, Kilometer machen, raus aus den Regionen Misiones und ohne viele Zwischenhalten durch die Regionen Corrientes und Entre Ríos durch, die mittlerweile schon ziemlich unter den Überschwemmungen des Río Paraná leiden.

Für die Weihnachtsfeiertage haben wir uns spontan für Mar Chiquita entschieden, ein beliebter Kite-Spot an der Küste südlich von Buenos Aires. Unsere Pläne werden aber durchkreuzt – zum Glück. In General Pirán, 100 km nordwestlich  von Mar Chiquita, haben wir am 24.12. einen kurzen Zwischenstopp im Supermarkt gemacht, um noch Cachaça für unsren Heiligabend-Caipi zu besorgen. Kennt man hier nicht, gibt’s nur in Brasilien, führte aber zu großem Aufsehen im Supermarkt. Nicht weiterhelfen zu können scheint für viele Argentinier ein No Go zu sein, so auch für Valerio, den Besitzer des Supermercados. Also wurde unter allen Kunden im Laden jemand ausfindig gemacht, der Englisch spricht. Wir endeten bei dem örtlichen Tankstellenbesitzer und seinem Vater, der im Übrigen ein Pilot in den Falklandkriegen war (hier Islas Malvinas – die Bezeichnung „Falkland“ ist britisch und wird deswegen hier nicht gern gehört). Keine zehn Minuten später war die Cachaça-Frage geklärt, gibt es hier nicht. Also kein Caipi für uns, dafür haben wir mittlerweile das halbe Dorf kennengelernt und Valerio ist der Meinung, dass Weihnachten zu zweit eh blöd sei und dass wir doch lieber mit ihm und seiner reizenden und riesigen Familie feiern sollten. Man sei im Übrigen sowieso sehr stolz darauf, dass man hier im Ort ein etwas anderes Weihnachten feiere (un „Navidad diferente“).

Und so haben wir nun drei Tage im „Hollywood“ Argentiniens verbracht, mit Weihnachten à la Argentina, inmitten einer herzlichen Großfamilie, die natürlich kein Wort Englisch spricht. Wir sind wohl aktuell die Rockstars in dem 3500-Einwohner-Städtchen, denn wir kennen jetzt den Bürgermeister, den Pastor, den Vorsitzenden des Fußballvereins, mitsamt Trainer und der Mannschaft, die nahegelegene Estançia Cautiva und den Bürgermeister des Nachbardorfes, den Männerclub des Ortes und vier der umliegenden Hühnerfarmen. Pirán ist berühmt für die Hühnereiproduktion, worauf man sehr stolz ist. War auch interessant für uns, hat uns einen Einblick in die Massentierhaltung verschafft, denn von Bioprodukten und Freilandhaltung hat man hier noch wenig gehört. Außerdem hat man sich echt super bemüht, uns einen Eindruck der argentinischen Lebenskultur zu vermitteln, sprich: der Fleischkultur. Auf unsere Nachfrage, welches Fleisch denn das beste beim Metzger sei (bekannt ist uns hier in der Fleischtheke nämlich nichts, die Schnittführung der argentinischen Fleischer ist eine ganz andere), führte in unserem Sprachenmix Spanisch-Portugiesisch-Englisch-Französisch eher zu Verwirrung – also griff der Metzger des Supermarktes einfach zum Fleischermesser und zerlegte uns kurzerhand ein halbes Rind zur Demonstration. Das ist doch mal anschaulicher Unterricht!

,„Les alemanes del supermercado, hablan inglès“ war die stete Vorstellung der zwei Deutschen, die echt noch zu wenig Spanisch sprechen… Die Feiertage als Spanischkurs, super! Das Weihnachtsfest wird in General Pirán ausgiebig gefeiert, mit Weihnachtstheater, katholischer Messe, Feuerwerk und einem Papa Noel, der mit Sirene und Polizeieskorte nach Mitternacht in seinem Papamobil noch Karamellbonbons verteilt. Wir sind furchtbar herzlich aufgenommen worden und die Einladungen und Geschenke haben kein Ende genommen – der Bus platzt nun aus allen Nähten 😉 Genauso die Verpflegung – wir sind sehr lecker bekocht worden, unsere deutsche Verdauung hat jetzt wohl einen ungefähren Eindruck vom argentinischen Fleisch- und Dulce de Leche-Konsum…!

Vielen lieben Dank, Familie Lichardi, für das Navidad diferente, das war eine großartige Erfahrung!

@ Fam. Lichardi: 

La navidad estuvo totalmente diferente, no los vamos a olvidar…

¡Muchas Gracias!