Nach der Carretera Austral ist nur noch ein kurzer Abstecher zum Vulkan Osorno drin, denn wir haben ein Wiedersehens-Date in Bariloche mit Schweizer Freunden. Die nächsten zwei Wochen verbringen wir gemeinsam mit Käsefondue, Ostereier-Suche und unseren ersten Klettererfahrungen. Nach der Entdeckung des Naturtalents Klettertobse ackern wir uns gemeinsam hoch durch die argentinischen Seen, den Nationalpark Lanin und die Villarrica-Region. In Pucon trennen sich unsere Wege dann wieder, nach einem echt traurigen Abschied nehmen wir schnurstracks die Autobahn Richtung Santiago, denn Heimatbesuch naht!

Neu auf dem Programm vom Reiseveranstalter Dreckskarre-Reisen: Rundreisen für fränkische Besucher. Und die ersten beiden Kunden stehen am Flughafen von Santiago pünktlich parat. Mit viel deutscher Schokolade, einigen Luxusartikeln von Zuhause und einem Koffer voller Ersatzteile haben sich meine Eltern zu uns auf den Weg gemacht – große Wiedersehensfreude!

Das vom Reiseveranstalter vorab ausgearbeitete Angebot „Bus-Reisen hautnah“ (Transport und Unterkunft gemeinsam mit den Reiseleitern im Bus) wurde aus unerfindlichen Gründen gleich rigoros abgelehnt und so haben sich die Zwei einen Miet-Pickup genommen

Auf dem Plan steht der Norden Chiles und Argentiniens, daher nehmen wir erst mal die Panamericana durch den ziemlich öden und sandigen Norden Chiles bis nach San Pedro de Atacama. Der Mietwagen hat bereits in den ersten Tagen unserem Bus den Namen „Dreckskarre“ abgeluchst, die Stromversorgung und der Kühlschrank funktionieren nicht wirklich. Die Männer verbringen einige Zeit mit Fehlersuche, Tobis Mechanikerherz weint beim Anblick der Elektroinstallation – wir dürfen also zum zweiten Mal den Service-Bus spielen! Damit bestätigt sich mal wieder, dass es trotz hoher Preise nicht einfach ist, in Südamerika einen ordentlichen Mietwagen zu bekommen, wir haben bereits einige andere mit mangelhaften Mietautos getroffen

Auf 2440 Höhenmetern liegt San Pedro, mitten in der trockensten Wüste der Welt. Das Städtchen hat sich seine idyllische Lage und seinen Charme behalten, obwohl es natürlich eines der Haupttouristenattraktionen in Chile ist. Der staubige Ort liegt umgeben von einigen Fünf- und Sechstausendern und ist perfekter Ausgangspunkt für abstrakte Wüstenlandschaften, Lagunen, Vulkane, Geysire und das Altiplano Richtung Bolivien.

Wir besuchen natürlich das berühmte Farbenspiel bei Sonnenuntergang im Valle de la Luna (Mondtal) sowie die Sanddünenlandschaften im Valle de la Muerte (Mars- oder Todestal). Südlich von San Pedro erstreckt sich auf ca. 3000 Quadratkilometern der Salzsee Salar de Atacama mit seinen Lagunen, die Flamingos und anderen Vögeln Lebensraum bieten. Der Salar wird von unterirdischen Wasserzuflüssen gespeist, durch den fehlenden Abfluss in der Landsenke verdunstet jedoch das Wasser und an der Oberfläche setzt sich eine krustige, salz- und lehmhaltige Schicht ab.

Die Atacamaregion gilt auch als das Mekka der Himmelsgucker. Die Luft hier oben ist trocken, klar und sauber, nur selten versperren Wolken den Blick auf die Sterne und noch dazu gibt es hier wenig künstliche ablenkende Beleuchtungsquellen wie in anderen Ballungsgebieten. Daher gibt es in Nordchile zahlreiche Observatorien, und auch auf dem Salar kann man als „Hobby-Astronom“ in privaten Observatorien in die Sterne kucken – beeindruckend!

Unseren ersten Höhenrekord machen wir beim Besuch der dunkelblauen Lagunen Miscanti und Miniques. Bis auf knappe 4200 m muss der Bus hier mit viel Qualm und im zweiten Gang hoch schleichen. Aber geschafft! Und nicht nur der Bus, sondern auch wir müssen auf dieser Höhe ziemlich schnaufen, selbst der Toilettengang strengt an. Die Lamas, die hier durch die Gegend rasen, sind wohl ein wenig besser an die Höhe gewöhnt…

Unser zweites Höhenerlebnis fällt leider etwas frustrierender aus. Wir verbringen die Nacht am Geysirfeld El Tatio auf 4300 Metern Höhe im Norden von San Pedro an der Grenze zu Bolivien. Das höchste Geysirfeld der Welt ist besonders bei Sonnenaufgang spektakulär, denn bei einer Außentemperatur von ca. -10 Grad ist die warme Luft am deutlichsten zu sehen. Das Wasser aus den spuckenden Quellen hat eine Temperatur von 80 bis 90 Grad. Unseren Plan, Frühstückseier im Thermalwasser zu kochen und bei Sonnenaufgang ein Bad in einem 40 Grad heißen Becken da oben zu nehmen, mussten wir dann aber abbrechen. Die weiblichen Reiseteilnehmer unter uns haben die Höhe ziemlich schlecht vertragen, wir haben die Nacht unter Kopfschmerzen, Übelkeit und Gliederschmerzen verbracht und haben uns dann nach einem kurzen Blick auf die Geysire entschlossen, schnell wieder nach unten zu fahren. Da ist wohl doch ein wenig mehr Akklimatisation nötig – oder vielleicht lag’s am vorabendlichen Menü mit Steak und Whiskey, wer weiß…

Unsere Rundreise führt uns weiter über den Paso de Jama (4800 HM, diesmal aber ohne Übernachtung 🙂 ) auf super schönen Straßen weiter nach Argentinien, über die bunten Schluchten der Quebrada de Humahuaca nach Salta. Hier werden wir die berüchtigte Ruta 40 nach Süden nehmen. Wir probieren uns durch die Küche der nordwestlichen Anden, es gibt Empanadas, Lama-Spieße, Locro (Eintopf aus Mais, Fleisch und Gemüse) und Humitas (Maisbrei im Maisblatt gekocht). In Cafayate nehmen wir natürlich an der obligatorischen Weinprobe teil. Die Region bietet mit ihrer Lage auf knapp 1700 HM sehr gute Bedingungen für den Weinbau – optimale Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht, sehr wenig Niederschlag und Feuchtigkeit und viel Sonne. Die Bewässerung erfolgt künstlich „geplant“ und so können die Trauben wohl optimal reifen.

Durch weitere beeindruckende Schluchten und Parks geht’s weiter in die trockene steppenhafte Region Cuyo und in deren regionale Hauptstadt Mendoza. Hier in der wichtigsten Weinbauregion Argentiniens müssen wir uns natürlich wieder durch einige Malbecs, Tempranillos und Merlots der Region probieren.

Von Mendoza müssen wir uns dann leider wieder Richtung Santiago de Chile aufmachen, die drei Wochen Besuch gehen viel zu schnell vorbei. Den Grenzübergang nach Chile wollen wir am Paso Los Libertadores machen. Die Passstraße dorthin schlängelt sich wunderschön durch die Anden, vorbei am Nationalpark Aconcagua. Der 6962 Meter hohe gleichnamige Cerro Aconcagua gilt als der höchste Berg außerhalb Asiens und zählt zu den Seven Summits. Trotz seiner Höhe bietet der Aconcagua angeblich kaum technische Schwierigkeiten, er fordert vor allem Kondition und Höhentraining. Leider, leider ist die Bergsteigersaison gerade vorbei – sonst wären wir natürlich noch schnell hochgehüpft, haha…

Die Grenzformalitäten am Paso Los Libertadores bringen unseren Zeitplan dann ein wenig durcheinander, das erste Mal gibt’s Probleme wegen unseres Kiteequipments. Die vorbildlichen Beamten diskutieren und fotografieren und diskutieren ewig und stellen uns schlussendlich unsicher grinsend ein Zertifikat für den temporären Import der Kites aus – ah ja, sinnvolle Bürokratie lässt grüßen…

Unsere letzte gemeinsame Nacht verbringen wir dann mit dem Leeren der angesammelten Getränkevorräte: Pisco, Whiskey, Rum… wenn die zwei Rappis wieder weg sind, wissen wir ja gar nicht, was wir mit solchen Flaschen anfangen sollen!

Ein dicker Schmatzer nach Deutschland, sehr schön war’s, wir vermissen euch schon!